Freitag, 27. März 2015

Rebuy, Amazon und Mängelexemplare zerstören den Buchmarkt?



Gibt es noch eine Branche auf dem Wirtschaftsparkett, die ebenso bedroht wird wie der Buchmarkt?
Print-Books werden bedroht von E-Books. Der Buchladen an der Ecke wurde erst von großen Buchhandlungen wie Mayersche und Thalia bedroht, nun fürchten alle zusammen Amazon. Die Verlage fürchten nicht nur Amazon, sondern nun auch Rebuy und Co. Hinzukommen findige Geschäftsleute, die Restbestände aufkaufen, sie ein bisschen ankratzen und dann an Discounter als Mängelexemplare weiter verkaufen, wo die Bücher meistens für weniger als die Hälfte des eigentlichen Preises angeboten werden.

Was ist da los, warum hatte es die Welt (Wirtschaftswelt) auf die Buchbranche abgesehen?

Keine Ahnung!

Ich liebe Bücher. Ich bin Autorin, mir ist also daran gelegen, dass die Menschen Bücher kaufen, ich meine Tantiemen bekomme und davon dann meine Rechnungen bezahlen kann.


Jane Austen, Emma, Mansfield Park, Sinn und Sinnlichkeit, Stolz und Vorurteil
Meine Leidenschaft zu Jane Austens Büchern hat angefangen mit einem E-Book. Weil ich zu der Zeit keine deutschen Ausgaben bekommen habe, mussten die englischern mitgenommen werden.

Buch oder E-Book?

Für mich hat sich die Frage nie wirklich gestellt. Ich habe die Pluspunkte von E-Books schon recht früh erkannt. Platzsparend. Man braucht keine zusätzliche Leselampe in der Nacht. Größe, Schriftart und Helligkeit lassen sich einstellen. Sofortiger Zugriff auf das Buch.

Habe ich deswegen ein Print-Book weniger gekauft, nur weil ich E-Books gut finde?

Nein!

Ich kann ein gedrucktes Buch (wenn es nicht super winzig geschrieben ist) länger lesen als ein E-Book. Die Haptik, den Geruch und die optische Präsenz von Büchern liebe ich einfach. Mir fällt auch das Nachschlagen in einem Buch leichter als in einem E-Book.

Amazon oder Buchhandlung?

Als in Dortmund die Mayersche eröffnet hatte, weigerte ich mich standhaft dort Bücher zu kaufen. Ich wollte die Bücherläden unterstützen, die schon seit Jahrzehnten dort das geschriebene Wort unter die Leute brachten.
Ich habe es wirklich versucht, doch nachdem ich zum X-Mal vergebens nach einem Buch gesucht hatte und mir nicht einmal angeboten wurde es zu bestellen, betrat ich die Mayersche.
Vielleicht liegt es an mir, aber die Bücher, die ich gerne lese, bekomme ich nicht immer (eigentlich sehr selten) in Buchhandlungen, dafür finde ich sie im Internet z.B. bei Amazon.

Kaufe ich weniger Bücher in Buchhandlungen durch Amazon?

Nein!

Durch Amazon bin ich beim Bücherkauf geblieben, selbst als es mir nicht möglich war immer eine Buchhandlung aufzusuchen.
Das bedeutet, ich hätte überhaupt kein Buch gekauft, wäre da nicht Amazon. Amazon hat in meinem Fall keine Kundin abgeworben, sondern mir ermöglicht, eine zu bleiben.
Übrigens ebenso wie Weltbild.


Hast du als Autorin kein schlechtes Gewissen gebrauchte Bücher zu kaufen?

Nein, denn ich kaufe dadurch kein neues Buch weniger.

Wie schon öfter erwähnt, ich bin nicht nur Autorin sondern auch Leserin. Ich bin süchtig nach Büchern und das schon lange. Allerdings bin ich auch ein recht rationaler Mensch, was Finanzen angeht. Bücher waren und sind für mich Luxus.
Als Jugendliche habe ich immer geduldig gewartet, bis die Taschenbuchausgabe des Buchs herausgekommen ist, das ich unbedingt haben wollte. 12-16 DM waren noch erschwinglich, 32-42 DM gehörten zu den Sachen, die man sich zu Weihnachten wünschte.
Bücher habe ich mir entweder von Freunden oder Bibliotheken ausgeliehen. Ich habe auf manche Exemplare hin gespart, die ich unbedingt haben wollte oder ich habe verzichtet.


Flavia de Luce
Ein Mängelexemplar, drei Ausgaben zum vollen Preis


Flavia de Luce Mord ist kein Kinderspiel habe ich in einer Mängelexemplar-Kiste bei Globus entdeckt. Ich hatte das Buch schon länger auf dem Schirm, war mir aber immer unsicher. Für 3,49 € dachte ich mir, kannste nix falsch machen. Ich war so angetan, dass ich eine Woche später in den Buchladen an der Ecke gegangen bin und mir den ersten Teil gekauft habe. Zu Weihnachten bekam ich dann den dritten und vierten Teil.

Meiner Meinung nach verkauft der Buchhandel nicht weniger Bücher durch E-Books, Rebuy oder Mängelexemplare. Bücher sind nicht günstig und wenn ich die Bücher nicht auch günstiger bekommen würde, würde ich wieder mehr ausleihen, sie aber nicht kaufen.

Als Autorin will und muss ich natürlich mit meinen Büchern Geld verdienen. Ich bin dankbar für jedes verkaufte Exemplar. Wer noch kein Buch von mir hat … Unser Auto braucht Sommerreifen, ihr tut also etwas sinnvolles, wenn ihr meine Bücher kauft.
Aber ich bin auch Autorin, weil ich Geschichten erzählen möchte, die erzählt werden wollen. Jedes Buch, das ausgeliehen wird, freut mich ebenso. Es geht nicht nur darum Geld zu verdienen (auch wenn das wichtig ist), es geht mir auch darum, dass ich dem Leser eine gute Zeit schenken kann.


Autoren wollen ihre Rechnungen bezahlen, ebenso die Buchhändler, aber Bücher wollen gelesen werden, deswegen finde ich es gut, dass es diese Vielfalt und neuen Möglichkeiten in der Buchbranche gibt.

Leonie Swann, Garou, Glennkill, Glennkill Kalender
Da konnte ich nicht einmal bis zur Taschenbuchausgabe warten und es musste sogar noch der Kalender mit



Ich wünsche Euch einen lesigen Tag mit vielen zufriedenen Büchern, Autoren und Buchhändlern.

Angela

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