Freitag, 15. Mai 2015

Interview mit Markus Walther

Markus Walther

Cover! Tolle, humorvolle Cover!
Das ist das Erste, was mir durch den Kopf rast, wenn ich den Namen Markus Walther lese.

Ist das jetzt nett, wenn ich erst an das Cover denke, es geht schließlich um den Inhalt des Buchs.
Ich denke, es ist okay, denn der Inhalt steht dem Äußeren in nichts nach. Kurzgeschichten, Fantasy, Krimi, etwas für kleine und große Leser. Markus Walther scheint sich nicht in einem Genre abstellen lassen zu wollen. Es gibt aber scheinbar ein Element, das er von Genre zu Genre mitnehmen muss. Humor, der leichte bis starke Dunkeltöne aufweist.
Ich freue mich sehr, dass Markus Walther bereit war meine Fragen zu beantworten und ich euch so diesen interessanten, spitzzüngigen und Leser-begeisternden Autor vorstellen darf.


1.) Frage: Wolltest du schon immer Autor werden, hast aber erst den Beruf des Werbetechnikers erlernt, weil man lieber etwas Anständiges machen sollte?

Als Berufswahl habe ich den Autor nie in Betracht gezogen. Zum einen hätte ich nie gedacht, dass sich eine Leserschaft für meine Schreiberei findet, zum anderen wollte ich Künstler oder Grafikdesigner werden.
Schließlich hat mich das Schicksal (oder sonst wer) zum Werbetechniker berufen. Inzwischen quäle ich als Kalligraph Pinsel und Tuschefedern. Das ist zwar nicht ganz so kreativ, macht aber satt.
Das Schriftstellern betrachte ich immer noch als reines Hobby.

2.) Frage: Der Letzte beißt die Hunde war bei Lovelybooks in der Kategorie Schönstes Cover nominiert.(Beim Leserpreis “Die besten Bücher 2013” hat „Buchland“ sogar noch besser als „Der Letzte beißt die Hunde“ abgeschnitten: Mit Rang 16 innerhalb der Top 20 in der Rubrik “Bestes Buchcover”). Sowohl Buchland als auch Der Letzte beißt die Hunde sind absolute Hingucker. Natürlich ist ein tolles Cover wichtig, doch legst du besonders viel Wert darauf?

Oh ja! Petra Rudolf ist für fast alle Cover meiner Bücher verantwortlich. Gemeinsam erarbeiten wir das Design bis schließlich das kleinste Detail stimmt. Dabei fliegen die Emails manchmal wochenlang zwischen Rösrath und Berlin hin und her. Es ist einfach Wahnsinn, wie sie es immer schafft, meine Wünschen zu 110% aufs Papier zu zaubern. Die Schriftzüge von „Buchland“ und „Der Letzte beißt die Hunde“ habe ich übrigens selbst gestaltet. (Anmerkung von mir: Das habe ich mir gedacht.)

3.) Frage: Beim Dich-Ausspionieren bin ich über einen Kommentar bei Lovelybooks gestolpert, der mich zum Schmunzeln gebracht hat. Du magst also Klischees. Nur als Stilmittel oder auch im realen Leben?

Hmmm. Manche Klischees sind offensichtlich. Andere begegnen uns gut versteckt. Im Film, im Buch, im Alltag - überall springen sie mich förmlich an. Ich habe vielleicht ein gutes Auge für Klischees und weiß sie - wenn ich an meinen Texten schreibe - gut zu entlarven.
Während der Arbeit an meinen ersten Kurzgeschichten, musste ich feststellen, dass sie ein äußerst effektives Stilmittel sein können. Bei Storys, die nicht länger als ein oder zwei Seiten sind, kann man mit einem Klischee innerhalb weniger Sätze ein funktionierendes Bild im Leser erzeugen. Wenn man dann mit dem Klischee bricht und eine überraschende Wendung damit verbindet, kann man damit den Leser richtig gut einfangen.
Im realen Leben bringen Klischees mich zum Schmunzeln. Ja, ich denke, dass ich sie tatsächlich mag, weil sie mich ganz inspirierend zur Frage führen: „Was wäre wenn ..?“. Mit dieser Frage hänge ich dann sehr, sehr schnell mitten in der Idee zur nächsten Geschichte.

4.) Frage: Wie man schon erahnen kann, begegnen dem Leser in deinem Roman Buchland viele bekannte Bücher und Autoren. Hast du die erwähnten Schriftsteller alle gelesen und reichte das, um sie plastisch darzustellen?

Ich muss zugeben, dass ich nicht alle Bücher, die im Buchland Erwähnung finden gelesen habe. Zwar habe ich viele von ihnen gelesen - aber eben nicht alle.
Trotzdem habe ich mich mit den Autoren und deren Werken auseinandergesetzt. Zusammenfassungen, Analysen, Dokumentationen und Abhandlungen, Lebensläufe, Anekdoten, Aphorismen und Zitate haben mir die nötigen Informationen geliefert. Einiges davon hatte ich schon gesammelt, bevor ich überhaupt die Idee zu „Buchland“ hatte.
Ob das gereicht hat, um die Schriftsteller plastisch darzustellen? Diese Frage reiche ich gerne an dich zurück, weil das nur ein Leser beurteilen kann. (Meiner bescheidenen Meinung nach, ist es gelungen.)

5). Frage: Kurzgeschichten wurden vor einigen Jahre bereits totgesagt (wobei Totgesagte ja oft länger leben). Viele Verlage verwiesen extra darauf, dass sie keine Kurzgeschichtenbände verlegen. Nun hast du ja Kurzgeschichten-Erfahrung, kannst du diesen Aussagen zustimmen oder haben sie immer noch ihre Leserschaft?

Kurzgeschichten sollte man nicht schreiben, wenn man reich und berühmt werden will. Sie sind ein Nischenprodukt, das man zwar gerne mal zwischendurch liest; für das man aber eigentlich kein Geld ausgeben möchte. Ich kann verstehen, dass es Verlage gibt, die diese Literaturgattung nicht herausgeben. Es gehört eine gewisse Portion Idealismus dazu, ein Produkt anzubieten, dass nur einen vergleichsweise kleinen Markt hat. Ich darf mich sehr glücklich schätzen, entsprechende Verlage (allen voran den Acabus-Verlag) gefunden zu haben.
Trotzdem muss ich sagen, dass Kurzprosa was ganz Besonderes sein kann. Insbesondere die Lesungen vor Publikum machen mir immer richtig Spaß. So viel direkte Emotion und so viel Feedback bekomme ich bei keiner Romanlesung. Kurzgeschichten gehen direkt in den Kopf. Wenn man mit einem Shorty das Publikum so sehr zum Lachen kriegt, dass man das Programm kurzzeitig unterbrechen muss, dann weiß man, dass die Gattung nicht tot ist.

6.) Frage: Humor scheint eine große Rolle in deinen Büchern zu spielen. Brauchen deine Leser demnach eine bestimmte Art von Humor, um sich in deine Bücher zu verlieben?

Das wüsste ich selbst gerne. Humor ist so individuell. Vielleicht sollte man dazu bereit sein, in meinem Humor, nicht nur in der vordergründigen Pointe zu suchen. Manchmal schreibe ich gerne zwischen den Zeilen. Außerdem darf man mir nicht übelnehmen, wenn ich makaber oder politisch inkorrekt werde. Das passiert zwar nicht zuuu oft, doch ich finde, dass Humor hin und wieder auch mal sehr böse werden darf.
Im Großen und Ganzen sind meine Späße aber allgemeinverträglich. Hoffentlich.

7.) Frage: Hast du bestimmte Schreibmacken? Musst du drei Mal um den Stuhl laufen, bevor du anfangen kannst zu schreiben? Oder brauchst du eine Kanne Grünen Tee mit Feige, wenn du arbeitest? Oder kannst du nur an einem bestimmten Ort/ zu einer bestimmten Zeit schreiben?

Die besten Texte schreibe ich, während einer Fußmassage auf den Malediven mit einem Cuba Libre in der Hand. Das ist allerdings vermutlich der Grund, warum ich noch keine „besten Texte“ hinbekommen habe. Vielleicht sollte ich die Sache mit dem Um-Den-Stuhl-Herumlaufen mal ausprobieren. Gibt es da Erfahrungswerte? (Nicht in Bezug auf das Um-Den-Stuhl-Herumlaufen.)
Ansonsten schreibe ich für gewöhnlich ohne die besagte Fußmassage und immer dann, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt. Das kann am Esstisch, auf der Arbeit oder im Bett sein. Mit meinem Laptop bin ich da sehr flexibel. Es haben aber auch schon Papierschnipsel, Post-It-Zettel und Servietten für geistige Ergüsse herhalten müssen. (Womit wir übrigens wieder bei den Klischees sind.) Statt an einem Cubra Libre halte ich mich dabei gerne an einem Kühlen Bier oder an einem guten Kaffee fest.

8.) Frage: Würdest du ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern und verraten, auf welches Buch sich die Leser als nächstes freuen können?

Gerade fertiggestellt ist das Manuskript zu „Beatrice - Rückkehr ins Buchland“. Eigentlich hatte ich ursprünglich keine Fortsetzung zu Buchland geplant, doch irgendwie musste ich feststellen, dass sich die Geschichte letztes Jahr von selbst in meinem Kopf weitererzählt hatte.
In den kommenden Tagen werde ich die Arbeit an meiner nächsten Krimikomödie beginnen. Unter dem Arbeitstitel „Der Letzte macht dein Licht aus“ bekommt eine ältere Dame Besuch von Kunsträubern. Die bösen Buben müssen rasch erkennen, dass die unfreiwillige Gastgeberin auf ihre ureigene Art recht wehrhaft ist.
Außerdem steht mein Kurzgeschichtenprojekt „100 Seiten von Pandora“ in den Startlöchern. Das Kinderbuch „Bubu, der Tröstebär“, das ich schon seit Ewigkeiten meiner Familie versprochen habe, muss ich auch noch fertigstellen. Wenn ich dann noch Zeit habe, könnte ich endlich mit meiner Gruselkomödie loslegen oder die Novelle „Des Königs Rabe“ abschließen. Es wird auch Zeit für den dritten literarischen Adventskalender. Uuuuund ...
Oh, sorry ... Puh! Da sind grade die Pferde mit mir durchgegangen. Das Jahr sollte man wirklich um ein paar Wochen verlängern, damit sich alle Projekte verwirklichen lassen.


Autor Markus Walther


Website: www.din-a4-story.de
Autoren-Seite-Amazon: Markus Walther
acabus Verlag: Markus Walther



Ich hatte sehr viel Spaß bei dem Interview. Herzlichen Dank dafür.


Ich wünsche Euch einen humorigen Tag.


Angela

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